Literaturliste


Anarchismus

Angaben zu weiterführender anarchistischer Literatur finden sich bei Stowasser nach jedem Kapitel von „Freiheit Pur“ in Hülle und Fülle! An dieser Stelle deshalb nur der Hinweis auf Horst Stowassers anderen Klassiker „Leben ohne Chef und Staat – Träume und Wirklichkeit der Anarchisten“. (Karin Kramer Verlag, Berlin, 1993) Mehr dazu hier.


Matriarchatsforschung

Harold Barklay:
Völker ohne Regierung – Eine Anthropologie der Anarchie;
Libertad Verlag, 1982 Berlin, 319 S.

Ethnologische Berichte von egalitär organisierten Stammeskulturen auf allen Kontinenten, untersucht aus einem anarchistischen Blickwinkel, veröffentlicht in einem anarchistischen Verlag. Vielleicht dasjenige Buch, das noch am ehesten als Versuch betrachtet werden kann, die Realisierbarkeit einer anarchistischen Gesellschaft durch ethnologische „Matriarchatsforschung“ zu belegen – auch wenn der Autor Harold Barklay im Jahr 1982 offenbar nicht in den Termen dieser Forschungsrichtung dachte (und vermutlich auch nichts von ihrer Existenz ahnte): das Wort Matriarchat zumindest kommt nicht vor.

Heide Göttner-Abendroth, Kurt Derungs (Hrsg.):
Matriarchate als Herrschaftsfreie Gesellschaften;
edition amalia, Bern 1997, 293 S.

Hier sozusagen ein „Gegenentwurf“ zu Barklays „Völker ohne Regierung“ von Seiten der Matriarchatsforschung: 15 AutorInnen, zumeist aus diesem Spektrum, widmen sich dem Phänomen „regierungsloser“ Ethnien im Allgemeinen, betrachten aber auch im Speziellen verschiedene matriarchale Kulturen in Asien, Nord- und Südamerika. Für das Anliegen von Mama-Anarchija.net ist dieses Werk wegen seines Fokus auf den Aspekt der Herrschaftsfreiheit natürlich von besonderer Bedeutung; lesenswert sind vor allem die Artikel von Heide Göttner-Abendroth die hier für die beschriebenen Völker immerhin den Ausdruck der „regulierten Anarchie“ (Christian Sigrist) benutzt.

Sigrist, Christian:
Regulierte Anarchie – Untersuchungen zum Fehlen und zur Entstehung politischer Herrschaft in segmentären Gesellschaften Afrikas;
1. Aufl. - Frankfurt/M.: Syndikat, 1967 im Walter Verlag, Olten,
278 S. (diverse Neuauflagen, zuletzt 1994)

Aus der Vorbemerkung: „Dieser (…) Beitrag zur Rechts- und Herrschaftssoziologie hat nicht nur die ethnologische, sondern auch die politische Diskussion in Deutschland beeinflußt. Sigrist untersucht die Mechanismen, die in den großen differenzierten und herrschaftslosen Gesellschaften Afrikas ein geregeltes Zusammenleben ermöglichen, die Bedingungen, unter denen in derartigen Gesellschaften Herrrschaft entsteht, sowie den Schwierigkeiten, die den neuen Staaten aus der traditional archaischen Sozialstruktur erwachsen. Damit dient das Buch zugleich als Schlüssel für das Verständnis mancher aktueller Vorgänge im heutigen Afrika, die rein politologisch gesehen keinen ’Sinn‘ ergeben.“
Bei Gerda Weiler („Das Matriarchat im Alten Israel“) ist zu lesen, dass der Begriff „geordnete Anarchie“  bereits 1891 von dem Irokesenforscher Henry Lewis Morgan geprägt wurde.

von Werlhof/Maier-Seethale//Mulack/Göttner-Abendroth u.a:
Die Diskriminierung der Matriarchatsforschung;
edition amalia, 2003 Bern, 156 Seiten

Indem sie mit ihren Arbeiten an allen Ecken und Enden des starren patriarchalen Weltbildes rüttelten, legten sich die zumeist weiblichen MatriarchatsforscherInnen von Beginn an mit dem akademischen, klerikalen und politischen Establishment an. In diesem empfehlenswerten Buch beschreiben sechs bekannte Forscherinnen und ein Forscher ihre persönlichen Erfahrungen mit diesem patriarchalen Establishment, das mittels Lügen, Verleumdungen, Mobbingkampagnen, Tatsachenverdrehung und unter Außerachtlassung jeglicher Wissenschaftlichkeit die Anerkennung der Existenz des Phänomens Matriarchat (mit allen seinen Implikationen!) zu verhindern versucht – bislang offenbar nicht ohne Erfolg … Das gute an diesem Buch ist, dass der/die LeserIn durch die hier stattfindende Überprüfung/Messung der grundsätzlichen Thesen der Matriarchatsforschung an den Gegenargumenten ihrer Widersacher einen guten Einblick in den aktuellen Stand der Dinge erhält.
http://matriarchat.info/index.php?option=com_content&task=view&id=47&Itemid=75

Heide Göttner-Abendroth:
Das Matriarchat, Bände 1, 2 und 3;
Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1999-2001

Das umfangreiche Standardwerk zur Matriarchatsforschung. Für weitere Infos siehe
http://matriarchat.info/index.php?option=com_content&task=view&id=43&Itemid=75
http://matriarchat.info/index.php?option=com_content&task=view&id=44&Itemid=75
http://matriarchat.info/index.php?option=com_content&task=view&id=45&Itemid=75

Marija Gimbutas:
Zivilisation der Göttin;
Zweitausendeins Verlag, Frankfurt/M. 1996

Die Archäologin Marija Gimbutas (1910 - 1994) hat ihr Leben der Erforschung der frühgeschichtlichen Kulturen Alteuropas gewidmet. Die Ergebnisse ihrer Arbeit deuten unmissverständlich auf die flächendeckende Verbreitung friedlicher matriarchaler Zivilisationen hin. Zudem gab sie mit ihrer Theorie der in Europa einfallenden „Kurgan-Völker“ eine schlüssige Vorstellung von der Verbreitung patriarchaler Verhaltens- und Organisationsformen.
Das Buch besteht vor allem aus einer Sammlung archäologischer Zeugnisse der matriarchalen Bewohner des frühgeschichtlichen Europa sowie einer Beschreibung der aus diesen Funden zu folgernden wahrscheinlichen Lebensverhältnisse jener Menschen.  Interessanterweise hielten Marija Gimbutas revolutionäre Forschungsergebnisse sie im Nachwort („Was ist eine Zivilisation?“) zu einem indirekten Vergleich unserer destruktiven „Hochkultur“ mit den vermeintlich naiven Steinzeitkulturen an:
„Im Unterschied zur androkratischen Konzentration auf Herrschaft lag das Gewicht in diesen Kulturen auf Techniken, die lebenerhaltend waren.“
“Wir dürfen nicht davon ausgehen, daß es den Menschen angeboren ist, untereinander Krieg zu führen. Kriegerische Auseinandersetzungen und der Bau von Befestigungen haben in der Tat zum Leben unserer Vorfahren von der Bronzezeit bis heute gehört. Nicht aber davor, im Paläolithikum und Neolithikum. In den Höhlenmalereien der Altsteinzeit gibt es keine Darstellung von gegen Mitmenschen gerichteten Waffen, und es gibt auch keine Überreste von Waffen, die der Mensch der Jungsteinzeit im Alten Europa benutzt hätte, um gegen andere Menschen zu kämpfen.”
Die Gimbutas-Dokumentarfilmerin Starhawk antwortete auf die Frage, welches die zentrale Lehre aus dem Werk der großen Archäologin sei: „Dass Krieg zwischen den Menschen kein notwendiger Zustand ist. Dass das Patriarchat nichts Universelles ist. Dass es möglich ist kooperativ und harmonisch mit der natürlichen Umwelt zu leben und dass diese Art zu leben eigentlich auch unser Geburtsrecht darstellt. Letztlich war dieser Lebensstil eine notwendige Bedingung für jene kulturtechnischen Entwicklungen, die wir heute als Fundament jeder Zivilisation erachten.“

Dr. James DeMeo:
SAHARASIA – The 4000 BCE Origins of Child Abuse, Sex-Repression, Warfare and Social Violence in the Deserts of the Old World;
Orgone Biophysical Research Lab, Greensprings 1998

Sehr schlüssige Theorie von der Entstehung und Ausbreitung des Patriarchats durch klimatische Veränderungen in den heutigen Wüstengebieten der SAHara, ASiens und ARAbiens und den daraus folgenden menschlichen Wanderungsbewegungen.
Das Buch wurde meines Wissens bereits ins Deutsche übersetzt, sucht aber noch einen Verleger. Lesenswert ist die deutschsprachige Zusammenfassung der Saharasia-These in der Ausgabe 10 der Zeitschrift emotion.


Kulturell Kreative

Paul H. Ray, Sherry Ruth Anderson:
The Cultural Creatives, How 50 million people are changing the world;
Three Rivers Press, New York 2000

Geseko von Lüpke:
Die Alternative, Wege und Weltbilder des Alternativen Nobelpreises;
Riemann, München 2003

Ervin Laszlo:
You Can Change The World, Gemeinsam eine bessere Welt schaffen;
Edition Club of Budapest/Horizonte Verlag, Stuttgart 2002

Bernard Lietaer:
Mysterium Geld, Emotionale Bedeutung und Wirkungsweise eines Tabus;
Riemann, München 2000